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Quellen für das Krimgotische
Das einzige bedeutende Zeugnis des Krimgotischen
ist der so genannte „vierte türkische Brief“ des flämischen Adeligen Ogier
Ghislain de Busbecq, der in den Jahren 1555 bis 1562 als Gesandter Kaiser
Ferdinands I. in Konstantinopel war. Im diesem Brief berichtet Busbecq (* 1522;
† 1592), er habe von einem Volk gehört, dass „durch Sprache, Sitten,
Gesichtsbildung und schließlich durch die ganze körperliche Erscheinung seine
germanische Abstammung verrate“ (Scardigli 1973: 246). Seine Dolmetscher
brachten ihn mit zwei Abgesandten dieses Volks zusammen. Der eine hatte das
Aussehen eines Flamen oder Holländers, doch hatte seine Muttersprache verlernt.
Der andere, der Abstammung und Sprache nach ein Grieche, besaß „eine nicht zu
verachtende Gewandtheit des Ausdrucks in dieser Sprache, da er häufig dort
weilte“ (Scardigili 1973: 247). Einer von ihnen teilte Busbecq eine große Menge
„deutscher“ Wörter mit, von denen der letztere im „vierten türkischen Brief“
101 verschiedene Formen auflistete (Stearns 1978: 38).
Neben diesem also sehr kleinen Korpus wurden
zwei möglicherweise krimgotische Wörter überliefert. Das erste ist ein
Eigenname Harfidel, der auf der Krim in einer hebräischen Inschrift auf
einem Grabstein aus dem 5. Jahrhundert gefunden wurde. Das zweite, razn
‚Haus’, lebt möglicherweise in der Bedeutung ‚Dachlatte’ als Lehnwort im
Krimtatarischen fort (Stearns 1978: 37).
Die Liste Busbecqs ist in dreierlei Hinsicht
problematisch. Erstens ist anzunehmen, dass Busbecqs Informant – sei es der
Krimgrieche oder der Krimgote – kein Muttersprachler des Krimgotischen war.
Zweitens verfügte Busbecq nicht über ein konsequentes phonetisches
Schreibsystem. Es ist oft unklar, welchen Laut ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination
repräsentiert. Da Busbecq bewusst war, dass das Gehörte den ihm bekannten germanischen
Sprachen teilweise ähnlich oder identisch sei, ist in der Schreibung auch
Interferenz des Flämischen und des Deutschen nicht auszuschließen. Drittens
sind während der Druckgeschichte zweifellos Fehler in den Text gekommen. Das
Original von Busbecq ist nicht erhalten (Binnig 1999: 136).
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